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Baby

Geburtsbericht | Laura

6. Dezember 2018

Am Montag, 4.12., hatte ich den ganzen Tag schon ein komisches Gefühl. Ausserdem hatten wir den errechneten Termin erreicht und irgendwie wollte ich auch, dass es endlich los geht! Abends gegen 20 Uhr hatte ich plötzlich das Gefühl, dass Babys Fruchtblase langsam undicht wird. Nicht viel, also dachte ich zunächst nicht an einen normalen Blasensprung. Dass es nicht so wie im Film eine Sturzflut geben würde, wusste ich ja aus dem Geburtsvorbereitungskurs. Nach ein bisschen googeln war ich aber fast sicher, dass es ein hoher Blasenriss sein können. (Dr. Google weiß ja alles) Nachdem ich nicht viel Flüssigkeit, sondern nur kleine Tröpfchen verlor, war ich also nicht wirklich beunruhigt und wir verbrachten die Nacht noch zuhause.

Dienstag morgen, 5.12., gegen 5 Uhr wollte ich dann aber doch sicherheitshalber ins Krankenhaus fahren, zur Kontrolle. Wir haben also die Oma angerufen, damit sie zu uns kommt, den Großen für die Schule fertig macht und anschließend hin bringt, während wir schon am Weg ins Spital waren.
Dort angekommen wurde ich erst mal von einer Hebammen-Studentin untersucht. Der Muttermund war nur 1 fingerbreit offen und bei der ersten Untersuchung der Flüssigkeit wurde festgestellt, dass es kein Fruchtwasser war … mh aber was bitte sonst? Eine andere Möglichkeit gab es nicht.

Als mich dann die Hebamme erneut untersuchte, platzte die Fruchtblase schlussendlich richtig und die Oberärztin verabreichte mir ein Gel, dass den Muttermund schneller öffnen sollte. Danach wurde ich regelmäßig ans CTG angeschlossen – Wehen waren aber keine in Sicht.

Insgesamt sind wir dann 8 Stunden sinnlos im Kreissaal rumgelegen, ohne Fortschritt. Da man bei einem Blasensprung ja wegen der Infektionsgefahr nicht mehr nach Hause darf, wurde mir also dann ein Bett auf der Geburtsstation hergerichtet. Mein Mann fuhr dann abends nach Hause und ich verbrachte die Nacht ohne nennenswerten Fortschritt im Zimmer. Gespürt hab ich nach wie vor kaum etwas. Leichte Regelschmerzen könnte man sagen.

Mittwoch, 6.12., war ich dann morgens um 8 wieder im Kreissaal bestellt, da mir die Ärzte eine Vaginaltablette zur Einleitung geben wollten. Gesagt, getan, Tablette drinnen und dann erst mal wieder ans CTG angeschlossen. Wehen waren immer noch keine da…

Die Hebamme meinte, ich soll dann noch aufs Zimmer gehen und mich melden, wenn ich was spüre und solange entspannen/schlafen wie es noch geht. (Heute, fast ein Jahr später kann ich mich gar nicht mehr daran erinnern wie es ist ausgeschlafen zu sein hehe. Also an alle Schwangeren: SCHLAFT SO VIEL WIE MÖGLICH)
Gespürt hab ich in meinem Unterbauch zwar schon was, hätte aber dabei nicht an Wehen gedacht. Es war mehr wie eine leichte Darm Verstimmung – ein leichtes Ziehen, als müsste ich bald mal auf die Toilette.

Um 16 Uhr wurde ich dann im Kreissaal wieder untersucht, mein Mann war wieder mit dabei, MuMund bei 4-5cm – na endlich tat sich mal was! Allerdings waren 4cm in 8 Stunden nicht die Welt. Eigentlich hatte ich mir Wochen zuvor überlegt eine PDA legen zu lassen, das hätte man ja bei ca. 5cm machen müssen, aber da ich kaum Schmerzen hatte, die man hätte lindern müssen, wurde diese Idee verworfen.

Es wurde mir dann noch eine zweite Einleitungs-Tablette gegeben und die hat dann zeitnah auch kräftig Wirkung gezeigt. In den folgenden 3 Stunden hat die Hebamme dann noch einiges versucht um die Wehen zu fördern, Bauchmassage, Einlauf usw. Die Schmerzen waren erträglich und der MuMund öffnete sich auf 9cm.

Zwischen 18 und 19 Uhr ging es dann schlagartig mit den Schmerzen los, denn als dann um 19 Uhr Schichtwechsel bei den Hebammen war, konnte ich die neuen Hebammen kaum ansehen. Während der ganzen Endphase der Geburt, also auch schon vor den Presswehen, konnte ich die Augen kaum noch offen halten, weil ich mich aufs Atmen und Durchhalten konzentrieren musste. Zeitgefühl hatte ich ab 19 Uhr keines mehr, angefühlt hat es sich wie eine Ewigkeit, defacto war unsere kleine Maus dann aber innerhalb von 2 1/4 Stunden auf der Welt. Ich kann mich auch nicht wirklich an alles erinnern, es war ein bisschen wie im Vollrausch, da ich aufgrund der Tabletten keine „schmerzfreien“ Pausen zwischen den Wehen hatte. Eine Wehe folgte gleich der Nächsten.

Ich weiß noch, dass ich eine Zeit lang auf dem Gummiball hin und her gerollt bin, oft auf der Toilette war, weil ich dachte ich muss mal (es war aber schon der Druck des Kindes, den ich gespürt hab), und die wahnsinnigsten Schmerzen meines Lebens im Rücken hatte. Ich hab ja generell oft Rückenschmerzen bei den Lendenwirbeln, aber DAS war jenseits von gut und böse. Eigentlich dachte ich immer Wehen spürt man nur im Bauch..

Wenn ich mich heute so daran zurück erinnere, bin ich in dieser Zeit ziemlich wehleidig gewesen. Es kann einem auch niemand vorher diese Art von Schmerz beschreiben, man kann sich darauf echt nicht vorbereiten. Ich wollte 2 Stunden lang nur, dass es endlich aufhört. Gleichzeitig war ich irgendwie gehemmt zu pressen, als es dann endlich losgehen hätte können. Wenn man so unten ohne vor seinem Partner rumliegt und man das Gefühl hat sich einzupinkeln oder ein großes Geschäft zu machen, kann das beim ersten Kind schon etwas unangenehm sein. Ich meine, wir gehen ja auch nicht aufs Klo, wenn der andere gerade im Badezimmer ist.

Mein ganzer Körper hat sich zusammengekrampft, und ich dachte schon ich hätte mich nun wirklich angepinkelt, als die Hebamme dann aber meinte es wäre Fruchtwasser hat es bei mir im Kopf endlich Klick gemacht und ich hab mit dem Pressen angefangen. Rückblickend totaler Blödsinn sich hier zurückhalten zu wollen aus Angst und Scham sich vor dem Partner vollzumachen. Denn nach dem Einlauf und unzähligen Toilettenbesuchen, war doch eh nichts mehr in mir drin.

Ein bisschen auf den Nerv ist mir gegangen, dass die Hebamme immer meinte ich solle doch mal richtig pressen. Ehm Hallo? Ich hab schon gepresst wie die Wilde – jedenfalls so gut es ging bei den Schmerzen. Es ist allerdings wirklich eine extreme Überwindung dir durch das Pressen auch noch selbst mehr Schmerz zuzufügen, als man eh schon hat. Bei mir persönlich hat es da ein wenig gebraucht, bis ich an dem Punkt war an dem mir vor Schmerz schon alles egal war. Ich wollte, dass es endlich geschafft ist und wurde dann irgendwann so richtig mies gelaunt. Ich hatte keinen Bock mehr, ich wollte nicht mehr, ich hatte die Schmerzen satt und genau diese Art von „Ärger“ hat mir anfangs scheinbar gefehlt, denn nun ging beim Pressen plötzlich mehr voran.

Nach gefühlten 100 Presswehen (es waren sicherlich weniger als 10), um 21:12, war dann plötzlich alles vorbei und ich war so erleichtert, dass es geschafft war. Sie legten mir dann die kleine Maus auf den Bauch und so richtig begreifen konnte ich es erst nicht, dass jetzt mein Baby da ist. Nach ein paar Minuten kam dann auch die Plazenta herausgeflutscht und der Papa durfte die Nabelschnur durchschneiden. Die Hebamme ging dann mit der Kleinen und dem Papa baden und abmessen, während ich von einer Ärztin genäht wurde. Das war auch das einzige Mal während der ganzen Geburt, dass ich eine Ärztin gesehen habe – die Hebamme und die Studentin hatten das alles nämlich wunderbar alleine im Griff.

Um Mitternacht wurde ich dann zur Station gebracht, der Papa verabschiedete sich für die Nacht und gegen 4 Uhr morgens waren wir beide dann entspannt genug um ein bisschen zu schlafen.

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